Der Rotfuchs

Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) ist jedem Kind aus Geschichten, Fabeln und Liedern bekannt. Seine Schläue ist sprichwörtlich und er gilt als trickreich und listig. Tatsächlich ist der Rotfuchs ein Lebenskünstler, welcher eine Vielzahl an Lebensräumen besiedelt, zu denen auch die unmittelbare Nähe des Menschen gehört. So ist er im Wald und auf dem Land ein ebenso vertrauter Anblick wie in der Großstadt.

Diese Seite soll die Menschen für den Fuchs sensibilisieren und um Rücksicht werben.

Aussehen und Merkmale

Der Rotfuchs ist mit etwa 50 Zentimeter Schulterhöhe der größte Vertreter der echten Füchse. Sein Gewicht beträgt zwischen vier und zehn Kilogramm, wobei die Rüden in der Regel schwerer sind als die Weibchen. Der Rotfuchs wirkt insgesamt kurzbeinig, besitzt aber eine schlanke Gestalt. Der Kopf wird von einer schmalen, spitz zulaufenden Schnauze und großen Ohren dominiert. Der Schwanz ist lang und auffällig buschig. Das Fell ist vor allem in Winter dick und dicht. In Deutschland ist es meist überwiegend rotbraun gefärbt. Bauch, Kehle und die Innenseiten der Schenkel erscheinen weiß bis weißgrau. Die Schwanzspitze ist ebenfalls meist weiß. Die Pfoten und Rückseiten der Ohren sind oftmals schwarz abgesetzt. Seinem deutschen Namen macht der Rotfuchs jedoch nicht immer alle Ehre. Denn es treten zahlreichen Farbvariationen auf, welche von Herkunftsgebiet, Individuum und Jahreszeit abhängen können. Tiere nördlicher Regionen sind häufig dunkler gefärbt und erscheinen teils dunkelgrau. Tiere südlicher Verbreitungsgebiete geben ihre leuchtend rote Färbung oft zugunsten eines sandfarbenen Tones auf. Für die verschiedenen Färbungsvarianten sind eigenständige Namen im Umlauf. So wird ein in dunklem Rotbraun gefärbter Rotfuchs, bei dem die weiße Schwanzspitze fehlt, Brandfuchs genannt. Dunkelgraue bis fast schwarze Exemplare werden als Silberfuchs bezeichnet. Besonders markant ist der vergleichsweise seltene Kreuzfuchs, bei dem nur die Rückenpartie und quer die Schultern – einem Kreuz gleich – dunkler gefärbt sind als das restliche Fell.

Dem Rotfuchs auf der Spur

Der Rotfuchs hinterlässt verschiedene Spuren, mit denen seine Anwesenheit auch denn nachgewiesen werden kann, wenn man ihn selbst nicht zu Gesicht bekommt. Die deutlichsten Hinweise sind Trittspuren, welche in weichem Untergrund oder Schnee hinterlassen werden. Sie sind auf den ersten Blick hundeähnlich, jedoch meist länglicher und schmaler. Ein einzelnes Trittsiegel ist etwa fünf Zentimeter lang und etwas weniger breit. Es besteht aus einem großen, leicht dreieckigen bis runden Handballenabdruck am Grund und vier Fingerballen, an denen sich Krallenabdrücke abzeichnen. Anders als beim Hund schneiden sich die Vorderenden der hinteren Fingerballen und die Hinterenden der vorderen Fingerballen nicht, sondern liegen auf einer Linie oder noch weiter auseinander. Der Zwischenraum zwischen dem großen Handballen und den kleineren Fingerballen ist beim Fuchs größer als beim Hund. Noch deutlicher wird die Zuordnung der Spur, wenn eine ganze Trittfolge gefunden wird. Der Rotfuchs bewegt sich typischerweise im Schnürgang fort, eine Bewegungsweise, die der Hund nicht beherrscht. Dabei setzt der Fuchs die Hinterläufe genau in die Abdrücke der Vorderläufe. Dadurch entsteht eine charakteristische lineare Spur, bei der sich einzelne Abdrücke überlagern. Einen weiteren Hinweis auf den Rotfuchs bietet seine Losung. Diese kann grundsätzlich mit der eines Hundes verwechselt werden. Sie ist wurstartig und in einer Spitze ausgezogen. Im Unterschied zum Hundekot sind in der Fuchslosung jedoch auch Knochenteile, Haare, Chitinbestandteile von Insekten wie zum Beispiel Käferflügel und ähnliches enthalten. Weitere, jedoch unklarere Boten für die Anwesenheit eines Rotfuchses sind seine Fraßspuren. Eine Rupfstelle mit Federn kann auf den Rotfuchs hindeuten. Wurde der Vogel von einem Greifvogel geschlagen, sind die gerupften Federkiele glatt. Der Fuchs hingegen hinterlässt aufgefaserte, fransige Kiele. Marderartige verursachen jedoch ähnliche Spuren, welche daher zu Verwechslungen führen können.

Verbreitung und Lebensraum

Der Rotfuchs ist der einzige Vertreter der Füchse, welcher in Deutschland vorkommt. Sein Verbreitungsgebiet reicht jedoch weit über die deutschen Grenzen hinaus. Auf der Nordhalbkugel ist er fast flächendeckend zu finden. Kein anderer Raubsäuger beansprucht ein so weites Areal wie der Rotfuchs. In Asien, Nordamerika und Europa dringt er im Norden bis weit über den Polarkreis vor. Auch auf vielen Inseln wie Großbritannien, Irland und den meisten Mittelmeerinseln ist der Rotfuchs in Europa zu Hause. Lediglich Island, Kreta, Malta und die Balearen konnte der Rotfuchs nicht besiedeln. Im Süden reicht sein natürliches Verbreitungsgebiet bis nach Indien, die Arabische Halbinsel und entlang des Nils bis in den Sudan. Auf der Südhalbkugel kam der Rotfuchs ursprünglich nicht vor. Er wurde jedoch Mitte des 19. Jahrhunderts gezielt von Fuchsjägern auf dem australischen Kontinent ausgesetzt, wo er sich schnell etablieren und sogar auf die Nachbarinsel Tasmanien vordringen konnte. Hier stellt der Rotfuchs als hochinvasive Art eine ernste Bedrohung für die heimische Tierwelt dar und wird wenn möglich bekämpft.
In seinem riesigen Verbreitungsareal besiedelt der Rotfuchs eine Vielzahl an Lebensräumen von Küstenregionen bis zur Wüste. In Deutschland ist der Fuchs ursprünglich ein Bewohner bewaldeter Gebiete. In unserer Kulturlandschaft ist er jedoch auch in offenen landwirtschaftlichen Gebieten, Parks, Friedhöfen und sogar mitten in der Großstadt zu finden. Die Stadt bietet dem Rotfuchs neben Nahrung und Unterschlupf auch weitgehend Schutz vor intensiver Bejagung, was aus ihr einen verlockenden Lebensraum macht.

Der Speiseplan des Rotfuchses

Der Rotfuchs ist ein einfallsreicher Opportunist, der fast alles verspeist, was er bewältigen kann. Die genaue Komposition seiner Ernährung ist vom Lebensraum und der Jahreszeit abhängig. Als aktiver Jäger verlässt sich der Rotfuchs vor allem auf sein Gehör und seinen Geruchsinn und geht dabei in der Regel allein auf die Jagd. Dabei hat er es auf verschiedene kleine Wirbeltiere wie Mäuse und Vögel abgesehen. Diese erbeutet er häufig mit dem sogenannten Mäusesprung, bei dem der Fuchs hoch in die Luft springt, um anschließend senkrecht auf seine Beute hinab zu stoßen. Auch größere Beute wie Kaninchen und junge Rehe kann der Rotfuchs überwältigen. Selbst für die Jagd nach größeren Wirbellosen wie Käfern, Heuschrecken oder Regenwürmern ist er sich nicht zu schade. Vogeleier und Aas nimmt er zusätzlich gerne an. Vor allem, wenn er Junge zu versorgen hat, macht der Rotfuchs auch vor Nutzgeflügel nicht halt und überwindet dabei einfallsreich so manchen Zaun. In der Stadt findet er auch im Müll der Menschen sein Auskommen und verspeist, was der Mensch übrig lässt. So stöbert er in Mülltonnen und im Kompost oder erhascht für Haus- und Wildtiere in Gärten bereitgestelltes Futter. Früchte und Beeren stellen im Sommer und Herbst sowohl in der Stadt als auch in freier Wildbahn eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan dar. Besonders süße Sorten wie Kirschen, Pflaumen oder Pfirsich können den Rotfuchs locken. Findet der Fuchs besonders reiche Beute, legt er sich nicht selten eine Vorratskammer in einem Erdloch an, welche unter Erde und Laub verborgen wird. Diese findet er später mit seinem feinen Geruchssinn wieder.

Das Leben und Lieben des Rotfuchses

Insbesondere im Winter und in Gebieten, in denen er stark bejagt wird, ist der Rotfuchs vor allem nachts und in der Dämmerung unterwegs. Wenn die Nächte jedoch im Sommer kürzer werden und er sich sicher fühlt, stöbert er auch in den Tagesstunden nach Nahrung. Dabei hängt die Größe seines Streifgebietes von der Nahrungsverfügbarkeit, der Dichte der Fuchspopulation und dem Geschlecht des Tieres ab. Männchen unternehmen häufig weitere Streifzüge als Weibchen. In nahrungsreichen Stadtrevieren begnügt sich der Rotfuchs mit Revieren von wenigen Dutzend Hektar Größe. Die kleinsten bekannten Stadtreviere sind unter zehn Hektar groß. In ländlichen Gebieten oder im vom Menschen weitestgehend unbeeinflussten Wald muss der Rotfuchs weitere Flächen durchstreifen, um seinen Nahrungsbedarf decken zu können. Hier erstreckt sich sein Aktionsraum auf durchschnittlich 200 bis 700 Hektar. Die nahrungsärmsten Reviere können sogar mehrere Tausend Hektar beanspruchen. Als Rückzugsort dient dem Fuchs ein Bau, welcher entweder von anderen Tieren wie dem Dachs übernommen oder selbst angelegt wird. Ein typischer Bau besteht aus einem Wohnkessel und mehreren Ein- und Ausgängen. Stadtfüchse nehmen auch gerne Schuppen, Garagen oder Holzstöße als Unterschlupf an. Entgegen der früheren Annahme, dass Rotfüchse strikte Einzelgänger seien, konnte inzwischen in einigen Populationen ein Gruppenleben mit komplexem Sozialgefüge nachgewiesen werden. Im Zentrum dieser Gruppe steht ein dominantes, paarungsfähiges Paar, welches bei hohen Sterblichkeitsraten regelmäßigen Wechseln unterliegt. Bis zu zehn rangniedere Tiere können bei guter Nahrungsversorgung Teil der Gruppe sein. Oft sind diese aus früheren Würfen hervorgegangener Nachwuchs, welcher fortan bei der Aufzucht der Jungen hilft. Bei günstigen Bedingungen pflanzen sich auch die rangniederen Tiere der Gruppe fort. Bereits nach 10 Monaten ist der Rotfuchs geschlechtsreif, doch nur innerhalb der Ranzzeit von Januar bis Februar finden Verpaarungen statt. Die fruchtbare Zeit der Fähe erstreckt sich über nur zwei bis drei Tage im Jahr. Das dominante Männchen einer Gruppe verfolgt ein auserwähltes Weibchen über mehrere Tage, bis sie die Paarung zulässt. Diese endet meist mit dem sogenannten „Hängen“, bevor sich die Tiere nach dem Geschlechtsakt wieder voneinander lösen können. Die Paarungsfreude und Jungenanzahl des Rotfuchses korreliert mit der Siedlungsdichte und Stabilität der Population. So konnte gezeigt werden, dass in bejagten Populationen gegenüber unbejagten Populationen die Zahl der fruchtbaren Weibchen und der Jungen pro Wurf steigt. Die Jungen werden im Fuchsbau aufgezogen und verlassen ihn mit einem Monat zum ersten Mal für kleine Erkundungstouren. Bis dahin werden sie von der Fähe im Bau gesäugt, während der Rüde Nahrung für die Familie herbeischafft.

Feinde, Parasiten und Krankheiten

Als relativ großer Beutegreifer hat der Rotfuchs in unserer ausgeräumten Landschaft nur wenige natürliche Feinde zu befürchten. Zu diesen gehören der Wolf, der Luchs und der Uhu. Allerdings finden diese Beutegreifer nur allmählich den Weg zurück nach Deutschland und sind daher nur regional von Bedeutung. Uhu und Luchs finden vor allem im Jungfuchs eine willkommene Mahlzeit, während Wölfe Füchse zwar töten, aber selten verspeisen. In Siedlungsbereichen der Menschen sind es neben dem Straßenverkehr eher Krankheiten und Parasiten, die den Fuchsbeständen zusetzen. Dabei nehmen Räude und Staupe eine zentrale Rolle bei der Dezimierung von Rotfuchsbeständen ein. Verschiedene innere und äußere Parasiten wie Fuchsbandwurm und Zecken nutzen den Rotfuchs zwar als Wirt, setzen ihm aber nicht weiter zu.

Rotfuchs und Mensch

Das Verhältnis des Menschen zum Rotfuchs ist ambivalent. In der Kulturgeschichte wurde er lange Zeit negativ dargestellt. In der christlichen Religion steht er für Sünde, Verwüstung und Bosheit. In der Literatur ist er als Reinecke Fuchs als gewiefter Lügner bekannt, der sich durch Tricks und Heuchelei durchsetzen kann. In der Realität birgt die Anwesenheit des Rotfuchses gesundheitliche Gefahren für den Menschen. Bis in die 1990er Jahre stellte die Fuchstollwut ein Risiko dar. Durch den flächendeckenden Einsatz von Impfködern und gezielte Bejagung konnte diese in Deutschland jedoch ausgerottet werden. Seit 2008 gilt Deutschland als tollwutfrei. Heute nach wie vor bedenklich ist die Funktion des Fuchses als bedeutender Endwirt für den Fuchsbandwurm. Eine Erkrankung des Menschen ist bei uns selten, kann unbehandelt jedoch lebensbedrohlich enden. Regional schwankt die Durchseuchungsrate der Fuchspopulationen mit dem Fuchsbandwurm zwischen fünf und 70 Prozent. Mit den Ausscheidungen infizierter Tiere gelangen die Wurmeier in die Umwelt und können mit der Nahrung vom Menschen aufgenommen werden. In der Mode und Freizeitgestaltung war der Rotfuchs lange Zeit eine zentrale Figur. Pelze, insbesondere aus seltenen Färbungsvarianten des Rotfuchses, galten lange Zeit als Statussymbol und die Parforcejagd, eine Hetzjagd zu Pferde, kam in Großbritannien lange einem prestigeträchtigen Nationalsport gleich. Beide Praktiken werden heute im Lichte des Tierschutzes kritisch betrachtet und sind zum Teil inzwischen verboten worden.